CA 1.5

Kanadische Stürme und ein kleiner Victoria Guide

 

Oh Canada, Du und Deine „Stürme“.

Letzte Nacht hat es durchgehend geregnet und der Wind pfiff gehörig ums Haus. Mich hat das soweit nicht gekümmert, lag ich doch schön in meinem warmen Bett und freute mich auf unseren Trip nach Victoria. Schließlich ist es einer meiner letzten Tage, den ich vielleicht in dieser schönen Stadt verbringen kann.

Später stehe ich dann allmählich auf, alles ist soweit noch in Ordnung. Draußen rollen unsere Hühner wie Fußbälle vom Wind übers Gras, ich dusche in Ruhe und frühstücke im Warmen. Ein ganz normaler Sonntag in Kanada also. Die Welt ist noch okay, draußen zwar etwas windig aber nichts allzu dramatisches. Zurück in meinem Zimmer höre ich dann plötzlich ein verhängnisvolles Geräusch, welches ich lange nicht gehört und nie vermisst habe, es bringt mich aber schlagartig zurück an einen jenen Noverbertag: mit einem „Pling“ verabschiedet sich die Energie und das Licht geht aus.

Zu dem Ganzen hier gibt es eine Vorgeschichte, (besagter Tag im November) aber bis hier müsst ihr erstmal wissen, dass, wenn der Strom wie jetzt aus ist, nicht die Sicherung am Haus betroffen ist, sondern eine der vielen Stromleitungen. So gehört unser Haus jetzt zu einem der glücklichen in einem weiten Gebiet, in dem irgendwo besagtes Stürmchen einen Baum auf eines der Kabel geweht haben muss. Das einzige, was wir nun tun können ist abwarten, bis BC Hydro die Schäden für unsere Area beseitigt hat und wir wieder auf dem Netzt sind. BC Hydro ist neben all der Arbeit, die sie im Folge des Sturmes haben müssen aber immer stets gut vernetzt und so kann man ins Internet gehen, seine Adresse eingeben und nachlesen, wann die Energie ausgefallen, wer genau betroffen ist und weiter wird auch freundlicherweise ein Zeitpunkt genannt, bis zu dem BC Hydro den Strom für deine Gegend zurücksetzt. Soweit so gut. zumindest fühlt man sich bei den Informationen nicht vergessen und der Sonntag geht weiter.

Hier muss man nun wissen, dass ohne Energie natürlich Licht, Kühlschrank, Wifi aber ganz speziell auch der Heater, der meinen Raum vorm Frieren bewahrt nicht funktionieren. Auch läuft die Wasserpumpe der Farm über das Netz, sodass früher oder später die Wassertanks leer sein werden. Ich verdränge jedoch meine Albtraumerinnerungen an jenen Novembertag. BC Hydro verspricht uns immerhin Strom zürück bis Mittag.

Kein Abwarten und Teetrinken sondern ab im Truck, inzwischen im Sonnenschein über einen von herabgefallenen Zweigen übersäten Highway nach Victoria. Als wir aus der Einfahrt kommen sehen wir auch den möglichen Übeltäter- Baum, der quer über die Straße auf die Leitung gefallen ist.

Victoria ist, wenn auch mit einer viel kleineren Bevölkerung als Vancouver, die Hauptstadt von British Columbia. Victoria ist eine kleine, süße Stadt im Süden von Vancouver Island, die sich ab 1843 rund um den Beacon Hill Parc als Fort über die Jahre mehr und mehr ausgebreitet hat. Heute wird das grüne Stadtbild vom Parlamentsgebäude am Inner Harbour geprägt, welches zusammen mit dem Fairmont Empress, einem Luxushotel, in dem schon die Queen schlief, das historische Zenrum Victorias ausmacht. Sehenswürdigkeiten sind Westkanadas ältester Chinatown, das Geburtshaus von Emily Carr, einer berühmten kanadischen Malerin und Schriftstellerin, das Royal British Columbia Museum, die Art Gallery und der große Beacon Hill Park, der 1858 angelegt wurde und in dem man neben vielfältigen Blumengärten in den alten Bäumen freilaufende Pfauen entdecken kann.

In Victoria laufe ich vorbei am Empress Hotel und Parliamentsbuilding, am Inner Harbour enlang und bummel entlang Victorias schönem Stadtzentrum.

Ein paar Tipps für Victoria:

– ein ganz besonderer Laden findet sich in 569a Johnson Street:

In der Smoking Lily findet man hinter einer vielleicht 2m breiten Glasfassade auf 4 Quadratmetern Rücksäcke, Taschen, Schmuck und andere Kleinigkeiten, die von Künstlern aus Victoria entworfen und bedruckt werden. Nicht nur für die modernen Taschen lohnt es sich vorbeizuschauen, sondern auch um so ein winziges, kreativ eingerichtetes Geschäft gesehen zu haben.

– auf der anderen Seite der Straße findet man verschiedene Postkarten, Buttons und mehr im Regional Assembly of Text.  Ebenfalls ein künstlericher Shop, der nur in Victoria und Vancouver seine Artikel handfertigt.

Allgemein ist die Ecke Johnson Street (mit Marquet Square) zu Government Street eine echt gute Einkaufsgegend:

-neben Lulu Lemon’s findet man mehrere echt coole Bekleidungsgeschäfte wie z. B. Suasion

-auf der gleichen Seite wie die Smoking Lily gibt es mehr verrückte Geschäfte, wie z.B. ein Scherzartikelladen mit Beleidigungen à la Shakespeare oder doch Goethe aber auch einer Boutique für erlesene Wellnessartikel.

In Downtown Victoria findet man in Government Street nicht nur Irish Pub und moderne Restaurants sondern auch Souvernierläden, die neben Maple Syrup und Cookies leckeren Smoked oder besser noch Candied Pacific Salmon anbieten.

-ebenfalls auf Government Street für alle Süßen: Roger’s Chocolates. Ein Chocolatier, gegrüdet in Victoria 1885, mit traditionsreichen und kanadisch-englisch angehauchter Schokolade.

aber auch die Rocky Mountain Chocolate Factory, deren Caramelized Apples in Bieber, Angry Bird und Minionform einfach abgefahren aussehen. (siehe Fotos vom 18. September 2014)

Einige  Ideen für ein leckeres modernes Mittagessen in Victoria:

– die Rebar – 50 Bastion Square

das Motto „eating really well“ sage es schon: die Rebar ist zwar eine alteingesessene Adresse in Victoria, die vegetarische und vegane Suppen, Backwaren, vielseitige Salate und Hauptgerichte anbietet, hier wird aber ganz sicher für alle Vitamine gesorgt: neben fancy Gemüse wie jicama im Salat hat man die Möglichkeit in seinen Smoothie zu Jalapenos, Cranberrys und roten Beeten auch Seaweedshots hinzuzufügen- um die besten Nährwerte für ein modernes, gesundes Leben zu erhalten.

Varsha – 101- 1600 Government Street

mexikanisch-indisch gemischte Küche, leckere Tacos, Salate, Quesadillas und co.

Brickyard Pizza

ofenwarme Pizza wird hier pro Stück verkauft oder man sitz im gemütlichen, modern eingerichteten Backsteingebäude

Nach einem schönen Aufenthalt in Victoria fahren wir zurück nach Duncan und… haben immer noch keinen Strom. BC Hydro hat inzwischen die Daten auf ihrer Homepage von 16 zu 18 Uhr und halb 1 nachts geändert. Mein Zimmer ist inzwischen eiskalt, meine Gastmutter ist mit vielen Kerzen ausgestattet vom Einkauf zurückgekommen und ich bin zutiefst dankbar für den Kamin, der das Haus (bis auf mein Zimmer) heizt.

Und nun sitze ich hier, beim Licht einer Kerze unter einer Decke und schreibe an diesem Blogeintrag. Zum Glück ist morgen schulfrei und ich hoffe einfach nur, morgen nicht wie im November aufzuwachen und immer noch keinen Strom oder Wasser zu haben.

Denn Anfang November hatte es hier schonmal gestürmt. Ein normaler Herbststurm am morgen, es waren Elternsprechtage, also für uns keine Schule und mittags ging dann der Strom aus. Soweit so gut. Während wir im Moment zu einem von 190 unglücklichen Häusern ohne Strom gehören, waren im November ganz Duncan und Umgebung betroffen; tausende Haushalte ohne Strom. An jenem Tag in November wurden sogar Abeiter von BC Hydro vom Festland auf die Insel geflogen, Zeiten fleißig auf die Homepage gepostet, geändert und nach und nach kamen immer mehr Häuser zurück aufs Netz. So natürlich aber nicht die Gegend, wo ich lebe. Nach Candlelightdinner gingen alle relativ früh schlafen , schließlich war es schon um 6 überall dunkel und ich muss sagen: irgendwo hat es schon was besonderes nur bei Kerzenlicht und ohne Internet. Man hat wirklich Zeit und Ruhe für andere Sachen, die Stimmung ist besonders und man wird kreativ, wenn man sich im Dunkeln die Zähne putzen muss. Nach einer kalten Nacht mit dicken Socken ging es dann aber am nächsten morgen ungeduscht in die Schule, die schon gestern zurück aufs Netzt gekommen war. Von allen Mitschülern bekam man mit, dass die meisten, ähnlich, irgendwann gestern schon wieder Strom hatten. Doch noch war ich guter Hoffnung, nach der Schule ins warmen Zuhause zurückzukehren. Nun ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Jedoch war, als ich nach dem Rugbytraining eiskalt gefroren nach Hause kam immer noch kein Strom in Sicht. Bei einem weiteren Candlelightdinner, diesmal hatten wir uns was vom Chinesen mitgebracht, da der Kühlschrank inzwischem mehr als 24 Stunden von Netz war, fror ich munter weiter. Das Schönste jedoch war, dass, als ich dann müde und kalt einfach nur ins Bett wollte, die Wassertanks aufgebraucht waren. Und es ist wirklich kein Spaß ohne Wasser, glaubt’s mir.

Irgendwann nachts ging dann nach fast zwei Tagen auch bei uns mit einem leisen „Pling“ der Strom wieder an. Am nächsten morgen duschte ich dann erstmal heiß und ausgiebig und bin seit diesen Erfahrungen zutiefst Kanada- Stromausfall gestört.

Es mag sich für euch vielleicht nicht so furchtbar anhören, aber dieses lange Warten im Kalten mit den ständigen Verschiebungen nach hinten und der Zeitpunkt, als es dann auch noch kein Wasser mehr gab, haben mir einfach den Rest gegeben.

Oh Kanada, bei deiner großartigen Natur und deinen fleißigen, vernetzten so netten Bewohnern- einen weiteren „Sturm“ möchte ich nicht nochmal mit dir erleben.

Da segne ich mir noch die deutschen unterirdischen Stromleitungen oder die oberirdischen Maste, die das, worunter du als  „Sturm“ schwer gelitten hast, bei leichtem verkraften. 😉

So verbleibe ich, wünsche euch eine gute Nacht und hoffe, morgen aufzuwachen und wieder zurück auf dem Netz zu sein. Sonst kann ich hier für nichts garantieren! Die Wahrscheinlichkeit einen dieser so gemütlichen kanadischen Stromausfälle zu erleben ist jedoch relativ gering, also lasst euch davon nicht abhalten einmal Victoria zu besuchen!

(Anmerkung des Autors: Und tatsächlich ging dann auch mitten in der Nacht der Strom wieder zurück. 🙂  )

 

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